Österreich
 

Präsident Dr. Walter KrennPräsident Dr. Walter Krenn zum
25. Treffen der Schielleitener
vom 30. September bis 2. Oktober 2005

Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Schielleitner!

Lassen sie mich als Teilnehmer des ersten Seminars vom 29.11. bis 10.12.1976 auf die Anfänge zurückblicken.

Aus der Zollsektion waren um die siebziger Jahre wenig Initiativen zu erwarten. Man verharrte zu sehr in dem bisherigen System, das auf die Vorkriegszeit zurückging. Dr. Gratschmayer hat als Bundeszollinspektor und General der Zollwache, nachdem, was er bei den Inspektionen gesehen hat, die Notwendigkeit erkannt, dass die Führungsebene effizienter, flexibler werden müsse, um den zunehmenden Aufgaben gewachsen zu sein.

So hat er begonnen nach Möglichkeiten zu suchen und ist auf die Idee gekommen, man könnte in Form eines Seminars den Führungskräften der Zollverwaltung die modernen Management Methoden näher bringen um die Effizienz und den Stellenwert in der Verwaltung und Öffentlichkeit zu erhöhen. Es bedurfte bei den gegebenen Strukturen immenser Überzeugungsarbeit im Ministerium um die Genehmigung zu erhalten. Dass ausgerechnet das Seminar in Schielleiten stattfinden sollte, war wahrscheinlich auf eine persönliche Bekanntschaft des Initiators zurückzuführen.

Jedenfalls erhielt ich am 26.11.1976 mit der Dienstpost die Abordnung zu dem in Schielleiten statt findenden 1. Seminar der Führungskräfte der Zollverwaltung mit dem Auftrag am 29.11. um 11.45 in Hartberg einzutreffen. Für uns im Westen waren damals die Bahnverbindungen mit der Steiermark sehr schlecht, so dass ich mit dem Kollegen Wund über Wien, Nächtigung im Hotel Metropol am Südbahnhof, fuhr. Mit Zollwachbussen wurde wir in Hartberg abgeholt und bei dichtem Nebel fuhren in den Schloáhof ein.

Wir wussten nicht was uns erwartet. Nachdem als Lernstoff die gängigen Gesetze mitzunehmen waren, rechneten wir mit einer immensen geistigen Infiltration. Ich war jedenfalls zusätzlich ausgerüstet mit der Konfliktsteuerung als Führungsaufgabe, den 10 goldenen Regeln im Umgang mit Mitarbeitern, der Transaktionsanalyse aus Readers Digest und 10 Jahre praktische Erfahrungen als Führungskraft.

Doch weit gefehlt. Während Seminarleiter SR Meinl den Hallenfuáball forcierte, verordnete Dr. Gratschmayer alias BUZI Frühsport und Ablegung des Österreichischen Sportabzeichens. Diesen geballten körperlichen Anforderungen waren natürlich nicht alle gewachsen und so gab es einen dauerhaften Muskelkater. Als seelischen Ausgleich gab es nur einen Besuch im Stift Vorau, im sehr bekannt gewordenen Schloá Herberstein und einen Heurigen.

Das wesentlichste Ergebnis dieses Seminars war

  1. das persönliche Kennenlernen von Kollegen aus ganz Österreich in gleichen Funktionen
  2. der folgende direkte Kontakt in dienstlichen Angelegenheiten
  3. Diskussionen über und Vergleich von praktischen Vorgangsweisen und Handhabungen bei den einzelnen Ämtern
  4. raschere und unkomplizierte Erledigung schwieriger Fälle
  5. direkter Kontakt mit den Herren des Ministeriums

Nach der Heimkehr wurde sofort mit der Umsetzung begonnen. Partizipative Motivation, Transaktionsanalyse und Selbstverwirklichung standen auf der Tagesordnung. Ich glaube noch heute, dass uns dieses Seminar einen kräftigen Impuls gegeben hat für die nächsten Jahrzehnte.

5 Jahre nach dem ersten Seminar sprach ich mit Sekt. Chef Dr. Gratschmayer anlässlich einer Zollreferententagung im BMF ob nicht ein Treffen der bisherigen Absolventen schön wäre, waren doch schon 45 Kollegen in fünf Jahren durch das Seminar gegangen. Nachdem er es gut fand, nahm ich mich der Sache an und war als nicht gewählter ständiger Vorsitzender für 17 Treffen verantwortlich. Inzwischen sind es schon 25 derartige Treffen geworden und nach 30 Seminaren haben über 400 Kollegen und Kolleginnen diese Kaderschmiede im wahrsten Sinne des Wortes durchlaufen.

Als Initiator der Treffen, die zu einem festen Bestanteil im Vereinsleben geworden sind, möchte mich bedanken bei

  1. bei Sekt. Chef Dr. Gratschmayer für seine Eingebung und deren Verwirklichung,
  2. bei allen Kollegen der Zollämter und Finanzlandesdirektionen die die jeweiligen Treffen ausrichteten, Besichtigungen und Exkursionen arrangierten, Damenprogramme gestalteten und Sponsoren gewannen
  3. bei den vielen Seminaristen, die auf eigene Kosten und in der Freizeit bzw. im Urlaub die Treffen besuchten und damit den Kontakt und die Kameradschaft weiter gepflegt haben.

In Form dieser Treffen, jedesmal in einem anderen Bundesland, lernten wir unsere Heimat Österreich näher kennen, die lokalen Verhältnisse der einzelnen Ämter und Behörden, die Kultur in ihrem Bereich und mehrfach auch Kollegen und Betriebe jenseits der Grenzen.

Ich wünsche, dass der Verein, der die Trägerschaft seit dem Treffen in Ischl 1998 wahrnimmt, noch lange diese Gemeinschaft zusammenhalten kann und die Tradition nicht gänzlich modernen Ideen opfert. Nach den mehrfachen Statutenänderungen, deren Sinn vornehmlich im Interesse der Dienstbehörde lag, soll doch festgehalten werden, dass es nie Vereinszweck war die Bildungsaufgabe der Finanzakademie zu konkurrenzieren. Aufgabe war es in erster Linie corporate identity zu schaffen, die Zusammenarbeit zu verbessern und Freundschaften zu schlieáen. Der Übertritt vieler in die Pension lies natürlich die Vorteile für die praktische Tagesarbeit wegfallen, der legendäre Geist sollte erhalten bleiben, und dazu dienen auch diese Treffen.

Der corporate identity sollte aber auch das vom Kollegen Hirsch und mir verfasste Buch "Zoll im Wandel der Zeit" dienen. Es ist zwar nicht die Vereinsgeschichte der Schielleitner, sondern eine Zollgeschichte über 5000 Jahre Werdegang des Zolls als Abgabe. Wir haben aber das Buch den Schielleitner Seminaristen und dem Verein der Führungskräfte gewidmet um so den Bezug zu einem der Ältesten Berufe unserer Zivilisation und zur Identifikation zu festigen. Schlieálich haben wir alle diesen Beruf gewählt und sollten auf seine historische Bedeutung stolz sein. Es sollte in keiner Bibliothek eines Zöllners fehlen.

Nachdem wir zu diesem Jubiläum wieder zu den Wurzeln zurückgekehrt sind möchte ich den Kollegen Mag. Herbert Puschnig und Karl Feichtinger für ihre gute Organisation recht herzlich danken und allen Schielleitnern zurufen.

Glück auf

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20.05.2012

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