Österreich
 

Der Schielleitener Verein aus 
Sicht eines 'Außenstehenden'

 

Ing. Mag. Dr. Franz Kropik
Jahrgang 1968

Leiter der Grenzstationen des ÖAMTC

Leiter der internen Verwaltung des ÖAMTC

seit 1998 Mitglied des Schielleitener Vereines

Als Vertreter der Wirtschaft sei dem Autor dieser Zeilen erlaubt, etwas auszuholen. Dies erscheint deshalb von Bedeutung, weil ein gewisser kleinster gemeinsamer Nenner an Informationen betreffend der Sichtweise zum Verständnis des Gedankenganges hilfreich sein dürfte.

Welches sind eigentlich die gesellschaftlichen Funktionen, die die Hoheitsverwaltung erfüllt? Als eine der Errungenschaften einer modernen Gesellschaft, kann ein funktionierendes Staatswesen gesehen werden. Nur weil es schon zur Gewohnheit geworden ist, dass die Regeln des menschlichen Zusammenlebens stabil und berechenbar sind, ist dieser Umstand längst nicht selbstverständlich. Es ist vielmehr das Ergebnis einer langdauernden historischen Entwicklung. Keinesfalls ist aber auch sicher, dass diese Errungenschaft ohne das Zutun einfach so weiter besteht!

Schon A. Smith, einer der Urväter der Nationalökonomie, hat darauf hingewiesen, wie ungeheuer wichtig die Berechenbarkeit menschlichen Handelns für jede Form des Zusammenlebens ist. Wesentlich dafür, dass diese Berechenbarkeit vorhanden ist, ist besonders auch ein funktionierendes Rechtssystem, zu dem im weiteren Sinne auch die Hoheitsverwaltung gezählt werden darf.

Die Berechenbarkeit der Aktionen der Handlungssubjekte entsteht im Rechtsystem unter andrem dadurch, dass festgeschriebenen Regeln, durch bestimmte Handlungssubjekte Geltung verschafft wird. Wie alle sprachlichen Konstrukte sind auch diese nur in der Lage, die Realität sehr spezifisch, meist generalisiert, darzustellen. Die Aufgabe der Organe der Hoheitsverwaltung ist es so gesehen, diese allgemein gehaltenen Aussagesysteme dahingehend mit Leben zu erfüllen, dass diese auf die jeweilige Situation ausgelegt, vielleicht pragmatisch gesehen auch angepasst, werden müssen.

In Zeiten der Globalisierung, der immer kürzeren Halbwertszeit von Information, einfach gesagt, immer komplexer werdender gesellschaftlicher Verhältnisse, wird diese Aufgabe zunehmend anspruchsvoller. 
Viele Vorgänge sind heutzutage zeitkritisch geworden. Handeln durch die gleichmäßige Auslegung und Durchsetzung berechenbar zu machen, ist längst nur mehr ein Teil der Anforderungen an die Verwaltung. Aktivitäten müssen der jeweiligen Situation angemessen, was heißt mit Blick auf die Bedürfnisse der Anspruchsträger, zum Beispiel der Wirtschaft, gesetzt werden.

Neben diesen Anforderungen haben Führungskräfte noch zusätzlich die Aufgabe, für die positive Entwicklung des sozialen Umfeldes, in dem diese Aktivitäten stattfinden, Sorge zu tragen. Im Idealfall sollte eine Führungskraft, besonders dort wo diese unmittelbar mit Anspruchsträgern aus der Wirtschaft zu tun hat, wie dies bei der Zollverwaltung oft der Fall ist, Rechtsexperte, Verwaltungsfachmann und Manager sein. Eigentlich ein Job für einen, auf gut Deutsch gesagt, „Wunderwuzzi“. Wenn es solche schon sehr selten gibt, so ist zumindest ein hohes Maß an Lernfähigkeit aber auch Geschick, Informationen zu beschaffen, erforderlich.

In kaum einer Organisation reicht die formelle Struktur aus, um die tatsächlichen Gegebenheiten abzubilden. Je komplexer und turbulenter die Umwelt einer Organisation ist, umso weniger besteht die Möglichkeit, nur mit den formalisierten Abläufen auszukommen. Die informelle Struktur, die zumeist in einer Art von Selbstorganisation entsteht, gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Um so entstandene, eher komplexe soziale Systeme erfolgreich beeinflussen zu können, sind besondere soziale Fähigkeiten, aber auch die Bereitschaft der Inhaber von Schlüsselpositionen erforderlich, die Notwendigkeit einer solchen informellen Organisation zu akzeptieren bzw. diese sogar noch zu fördern.

Eine institutionalisierte Form Eingehens auf die Notwendigkeit, Informationen Abseits von Hierarchien und formellen Strukturen auszutauschen, zeigt interessanter Weise, dass, eine oft zu unrecht landläufig als eher wenig flexibel angesehene Hoheitsverwaltung, sich hier besonders innovativ im Umgang mit den Anforderungen der Umwelt darstellt.

Die von Ort zu Ort sehr unterschiedlichen Anforderungen und die dazu entwickelten Lösungsansätze, können weitgehend ohne Zwänge diskutiert werden. Des Weiteren, und das macht seine besondere Qualität aus, bietet dieses Forum auch externen Anspruchsträgern die Möglichkeit deren Sichtweise in den Diskurs mit einzubringen.

Zusammenfassend sei festgehalten, dass der Verein der Führungskräfte der österreichischen Zollverwaltung, aus Sicht des Autors, eine innovative und zukunftsträchtige Umsetzung modernsten Organisationsverständnisses darstellt. Schon alleine im Eigeninteresse des Verfassers dieser Zeilen liegt der Wunsch, einer möglichst positiven Entwicklung des Schielleitener Vereines, denn nur wenn die Zollverwaltung erfolgreich ist, kann es auch die Wirtschaft sein!


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05.02.2012

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