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Schielleiten
Wels 2003
Rede zur Jahreshauptversammlung
Ein
Beitrag von Präsident i.R. Ehrenmitglied
Dr. Walter Krenn
Als beim letzten Treffen in Jennersdorf doch mehr oder weniger überfallsartig
versucht wurde, den Mitgliedern die Öffnung des Vereins zur Finanz schmackhaft
zu machen, habe ich mich stark und sehr emotional gegen diese Versuche gewehrt.
Die Argumente und verbalen Erklärungen der Behördenvertreter haben mich
in keiner Weise überzeugen können. Unser Freund Thomic-Sutterlüti
hat damals versprochen in einem Konzept die Gründe für diese Konstruktion
darzulegen.
Die Entwicklung auf dem Zollsektor ist nicht gerade erfreulich. Die Zollwache wurde
nach jahrelanger Verunsicherung nun endgültig preisgegeben. Wahrlich kein
Ruhmesblatt der politisch verantwortlichen. Die gemeinsame Betrugsbekämpfung
wird zu einem Traum der Initiatoren, weil sich die Zollfahndung in ihre Bestandteile
auflöst und kein im Metier aufgewachsener Nachwuchs mehr zur Verfügung
stehen wird. Sicher nicht im Sinne einer wirksamen Betrugsbekämpfung in der
EU.
Die Zusammenführung von Steuer und Zoll, die Bundeszollinspektor Mag. Zeller
in den Schielleitener News 2002 als erforderlich erachtet hat, führte abrupt
zur Abschaffung der Präsidenten der FLDionen, nicht zur Dezentralisierung,
sondern eigentlich zu einer Zentralisierung.
Die Benennung der bisherigen Tätigkeiten in der Zollverwaltung mit Anglizismen,
die Umgestaltung in Wirtschaftsräume, Projektgruppen und Beiziehung von Experten
von außen, die von der gewachsenen Struktur in Zoll- und Finanzverwaltung
wenig Ahnung haben, machen noch lange keine adäquate Anpassung der Zollverwaltung
an die geänderten Verhältnisse.
Die Schielleitener Seminaristen haben sich 1981 zusammengeschlossen um die Zusammenarbeit
in der Zollverwaltung durch persönliche Beziehungen zu festigen und die entwickelte
eigenständige „corporate identity“ nach außen hin auch zu vertreten
und zu leben. Dass dies gelungen ist, war auch der Grund, warum auch im § 2
der bei der Vereinsgründung beschlossenen Statuten dies als Vereinsziel aufgenommen
wurde.
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass diese Ziele auf die Finanz nur übertragen
werden können, wenn die Finanzbeamten die Seminare in Schielleiten besuchen
und sich zu deren Zielen und Idealen bekennen. Das Seminar so auszurichten, dass
sowohl Zoll- wie Finanzbeamte für ihre Aufgabenbereiche Vorteile haben und
darüber hinaus Zoll- und Finanzbeamte im Interesse der gesamten Finanzverwaltung
den Kick zu geben zu einer schon längst fälligen und notwendigen engeren
Zusammenarbeit zu finden, dass ist die Aufgabe der Verantwortlichen, im besonderen
unseres Kollegen und Vizepräsidenten Thomic-Sutterlüti. Auf Grund seiner
neuen Funktion bestehen hier ungeahnte Synergieeffekte.
Ich begrüße die Öffnung zur Wirtschaft und zu den anderen Zollverwaltungen
in Europa. Schließlich ist die Zollverwaltung die einzige gemeinsame Verwaltung
in der EU. Ich habe auch Verständnis für eine totale Neuorganisation
der Zollverwaltung im Zuge der durch die Erweiterung geschaffenen Notwendigkeiten.
Aber es ist schließlich Aufgabe der Verwaltung, die gesetzlichen Grundlagen
rechtzeitig hiefür zu schaffen. Die Zollbeamten sind flexibel genug, um sich
diesen Änderungen anzupassen und so wie bisher ihr Bestes zu geben.
Ich kann, meine lieben Freunde, dieser Öffnung und der Aufnahme der Finanzbediensteten
als ordentliches Mitglied nur etwas abgewinnen, wenn jeder als Teilnehmer das Seminar
in Schielleiten besucht hat. Das muss gewährleistet sein. Alle anderen können
nur Freunde oder Förderer unseres Vereines sein.
Auf die Frage „cui bono“, „wem nützt es“; wäre zu antworten:
- den
Schielleitener Seminaristen, wenn die in Frage kommenden Finanzbeamten das
Seminar besuchen,
- den Finanzbeamten,
wenn sie endlich auch den Zoll als Teil der Finanzverwaltung
akzeptieren,
- der Verwaltung,
weil die leitenden Führungskräfte
beider Verwaltungen bessere Kontakte als bisher pflegen können und
eine engere Zusammenarbeit mehr im Interesse der Organisation und der Steuergerechtigkeit
liegt.
Liebe Schielleitener!
Wir wollen unseren Verein und unsere Ziele grundsätzlich nicht aufgeben, verschließen
uns aber nicht, wenn die Verwaltung meint, eine Zusammenführung mit der Finanz
würde der Finanzverwaltung insgesamt nützen. Sie muss allerdings die
Aufrechterhaltung des Seminars garantieren und die Grundsätze unseres Vereines
dürfen darunter keinen Schaden erleiden.
Resümee der Diskussion und Abstimmung:
Die Änderung der Statuten wurde einstimmig beschlossen. Der Präsident
beteuerte, dass er über diese Entscheidung sehr glücklich sei. Sektionschef
Dr. Wolfgang Nolz bedankte sich für diese wegweisende Entscheidung und versprach
die Aufrechterhaltung und Unterstützung des Schielleitener Seminars.
Vielleicht hat der Apostel Matthäus doch alle Beteiligten erleuchtet und weist
den Weg in die richtige Zukunft. Nach einer sechstausend jährigen
Geschichte des Zolls wird damit eine neue Variante aufgetan und der Bestand
dieses biblischen
Gewerbes auch weiterhin gesichert.
Dr. Walter Krenn
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